Invasive Arten (Unerwünschte Pflanzen und Tiere)

Herkulesstaude und Co.: Wenn einheimische Arten unter Druck geraten

Was sind Neophyten, Neozoen und Invasive Arten?
Die Pflanzen- und Tierwelt einer Region ist niemals konstant. Klimaveränderungen, wie Eiszeiten und Warmzeiten, veränderten stets die Bedingungen und ermöglichten immer schon das Ausbreiten oder erzwangen den Rückzug einzelner Arten. Natürliche Ausbreitungsmechanismen über Tiere, Wind oder Wasser ermöglichten die Verbreitung, wie andererseits Meere, Gebirge oder die Bodenchemie Sperren errichteten. Mit dem Auftreten des Menschen erweiterten sich die Ausbreitungsmöglichkeiten und insbesondere durch den Handel wurden und werden Pflanzen und Tiere schneller verbreitet, als dies auf natürlichem Weg passieren würde. Dies geschah häufig beabsichtigt, wie beispielsweise bei zahlreichen Zier- und Nutzpflanzen oder geschah unbeabsichtigt (z.B. Verbreitung von Pflanzensamen  in ungereinigten Saatmischungen). Diese gebietsfremden oder nichteinheimischen Arten findet man daher besonders häufig entlang von Handelswegen wie Flüssen, Häfen, Zugstrecken und Flughäfen, aber auch in der Umgebung von Siedlungen und botanischen wie auch zoologischen Gärten.

Die Begriffe Neophyten ( "Neu-Pflanzen") und Neozoen ("Neu-Tiere") hängen dabei eng mit der Entdeckung Amerikas 1492 zusammen. Da sich seitdem der transkontinentale Handel extrem verstärkte und weltweit den Austausch von Pflanzen und Tieren mehrte, gilt diese Jahreszahl als Stichtag für die Unterscheidung von Neophyten/Neozoen zu den gebietsfremden Pflanzen und Tieren, die bereits zu früheren Zeiten zu uns kamen (z.B. mit dem Beginn des Ackerbaus in der Jungsteinzeit oder durch den Handel der Römer). Diese werden als Archäophyten ("Alt-Pflanzen") und Archäozoen ("Alt-Tiere") bezeichnet. Von diesen sind die einheimischen Arten (Indigene) abzugrenzen, die in unserem Gebiet seit dem Ende der letzten Eiszeit vorhanden sind.

Viele der uns vertrauten Pflanzen sind eigentlich gebietsfremd, wie beispielsweise die Tomate (Solanum lycopersicum) oder die Kartoffel (Solanum tuberosum). Auch viele Straßenbäume sind nichtheimisch. Diese Pflanzen, die in der Obhut des Menschen leben, stellen in der Regel für den Naturschutz kein Problem dar. Circa 10 Prozent der gebietsfremden Pflanzen gelingt es spontan und selbständig, also ohne Einfluss des Menschen, sich über mehere Generationen in der Natur zu halten. Sie gelten als etabliert.

Problematisch sind von diesen Etablierten in Deutschland nur gut 40 gebietsfremde Pflanzenarten, die im Naturschutz als invasive Arten bezeichnet werden. Sie und nur diese haben unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope. So können sie z.B. in Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen zu anderen Pflanzen treten und diese verdrängen. Invasive Neophyten können auch ökonomische (z.B. Unkräuter) oder gesundheitliche Probleme verursachen.

Die Herkulesstaude

Herkulesstaude (Hercules mantegazzianum) eine gefährliche SchönheitEine dieser invasiven Arten ist die Herkulesstaude oder Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum), deren Saft Verbrennungen beim Menschen verursachen kann und deren Dominanzbestände Auswirkungen auf andere Kräuter haben. Die Pflanze ist als imposante Gartenzierpflanze eingeführt worden, hat sich aber mittlerweile selbständig verbreitet. Die Herkulesstaude ist im Rhein-Sieg-Kreis inzwischen nicht nur an vielen Stellen entlang der Sieg, sondern auch an kleineren Nebenbächen, an Straßen, Waldrändern und Grünflächen zu finden. Um die weitere Ausbreitung bekämpfen zu können ist es notwendig zu erfahren, wo genau sie schon überall wächst. Die Kreisverwaltung bittet Wuchsorte der Pflanze der Biologischen Station im Rhein-Sieg-Kreis zu melden.
Ein Faltblatt über diese Art können Sie in der rechten Spalte lesen oder herunterladen. Weitere Informationen finden Sie im Floraweb Teil NeoFlora des Bundesamtes für Naturschutz.
 
 
 
 
 
 
 
 
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