Demographiebericht 2007 des Rhein-Sieg-Kreises
Chancen im demographischen Wandel überwiegen
„Der Rhein-Sieg-Kreis hat gute Chancen, zu den regionalen Gewinnern der demographischen Entwicklung in Deutschland zu werden“, so lautet das Fazit von Rhein-Sieg-Landrat Frithjof Kühn zu den Zukunftsperspektiven des Kreises angesichts des demographischen Wandels in Deutschland.
Unter dem Titel „Demographische Entwicklung im Rhein-Sieg-Kreis – Trends und Herausforderungen“ hat die Wirtschaftsförderung des Rhein-Sieg-Kreises auf rund 90 Seiten umfangreiches Datenmaterial zu den verschiedenen Facetten und Auswirkungen der zukünftigen demographischen Entwicklung im Kreisgebiet zusammengestellt. Dabei zeigt sich, dass der Rhein-Sieg-Kreis – im Unterschied zu Nordrhein-Westfalen und Deutschland – auch in den nächsten zwei Jahrzehnten noch mit einer steigenden Bevölkerungszahl rechnen kann. Die Prognose des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik NRW (LDS NRW) sagt für den Kreis bis zum Jahre 2025 eine Einwohnerzunahme um rund 52.000 auf 649.000 Menschen, das ist ein Plus von 8,6 Prozent, voraus. Im Gegensatz zur Vergangenheit werden es zukünftig aber nur noch die Zuwanderungsgewinne sein, die zum Bevölkerungswachstum beitragen; aus der vorhandenen Bevölkerung heraus werden die Schrumpfungstendenzen überwiegen, da die Zahl der Sterbefälle in Zukunft größer sein wird als die der Geburten.
Die zukünftige Bevölkerungsentwicklung hängt damit entscheidend von der Attraktivität des Kreises und seiner Anziehungskraft auf potenzielle Neubürger – und hier insbesondere junge Familien - ab.
Auch im Rhein-Sieg-Kreis wird der Alterungsprozess in der Bevölkerung verstärkt voranschreiten. Die Zahl der Einwohner, die 65 Jahre und älter sind, wird im Jahre 2025 um 42 Prozent höher liegen als heute. Umgekehrt wird die Altersklasse der unter 18-Jährigen um gut 10 Prozent sinken. Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 18 und 65 Jahren wird dagegen um etwa 20.000, das entspricht einem Plus von 5,4 Prozent, zunehmen.
Für Kreiswirtschaftsförderer Dr. Hermann Tengler stellt die Entwicklung des Erwerbspersonenpotenzials eine Schlüsselgröße für die Zukunft des Rhein-Sieg-Kreises dar. „Die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte ist der wichtigste Faktor für die Wachstums-, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft. Da in den meisten anderen Regionen Deutschlands das Arbeitskräfteangebot im Zuge der demographischen Entwicklung schrumpft, wird der Rhein-Sieg-Kreis für die Unternehmen noch an Standortattraktivität hinzugewinnen.“
Die Städte und Gemeinden im Rhein-Sieg-Kreis werden durch das vorausgesagte Bevölkerungswachstum bei gleichzeitig erheblichen Veränderungen in der Altersstruktur vor große Herausforderungen gestellt. Die Schülerzahlen werden im Kreis bis zum Jahre 2015 um etwa 10 Prozent zurückgehen. Betroffen hiervon sind in erster Linie die Grund- und Hauptschulen, so dass sich vor allem für eine Reihe kleinerer Schulen Anpassungsbedarf ergibt. Auf der anderen Seite wird sich hinsichtlich der angestrebten Schulabschlüsse der Trend, eine höherwertige Qualifikation zu erreichen, in den nächsten Jahren weiter verstärken. So wird die Zahl der Schulabgänger mit Fachhochschul- und Hochschulreife um 25 Prozent zunehmen.
Auch zur Tagesbetreuung von Kindern im Rhein-Sieg-Kreis weisen die Prognosen des LDS NRW gegenüber dem heutigen Stand auf einen erheblich höheren Bedarf hin. Am stärksten betrifft dies die Betreuungsmöglichkeiten der unter 3-jährigen Kinder, für die bis 2020 bei einer Zielversorgungsquote von 80 Prozent ein Anstieg auf gut 6.300 Betreuungsplätze ermittelt wird.
Die alterstrukturelle Bevölkerungsentwicklung hat naturgemäß auch unmittelbare Auswirkungen auf die Entwicklung der Pflegebedürftigkeit. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird nach den Prognosen zufolge im Rhein-Sieg-Kreis bis zum Jahre 2025 um mehr als 80 Prozent zunehmen. Dabei ist in allen Versorgungsbereichen mit einem erheblichen Zuwachs zu rechnen. In Anbetracht der nach wie vor wesentlich höheren Lebenserwartung der Frauen wird der Anteil der weiblichen Pflegebedürftigen auch in Zukunft bei etwa zwei Drittel liegen.
Landrat Frithjof Kühn: „Die Anforderungen, die der demographische Wandel an die Schul- und Bildungspolitik sowie an die Familien-, Senioren- und Gesundheitspolitik im Rhein-Sieg-Kreis stellt, sind vielfältig und anspruchsvoll. Wir müssen diese Aufgaben aber mit aller Kraft angehen, denn der Wettbewerb der Regionen um eine günstige Bevölkerungsentwicklung und die damit einhergehende wirtschaftliche Prosperität wird immer härter. Mit unserer erfolgreichen Struktur- und Standortpolitik der vergangen Jahre ist jedoch die Voraussetzung für eine gute Zukunft geschaffen.“
Der Demographiebericht 2007 des Rhein-Sieg-Kreises steht Interessenten hier als Download (pdf 1,3 mb) zur Verfügung.
