Ländliche Räume
Kraftwerke unserer regionalen Zukunft
Ländliche Regionen wie auch Ballungszentren gehören untrennbar zur Identität unserer Region. Die Mischung macht’s und gibt unserer Region ihr unverwechselbares Gesicht.
Etwa 60% der Menschen unseres Bundeslandes Nordrhein-Westfalens leben außerhalb der Großstädte im „ländlichen Raum“. In keinem Bundesland leben mehr Menschen in ländlichen Räumen, die von hoher Lebensqualität und einer weitgehend intakten Umwelt geprägt sind. Die Bewohner der ländlichen Räume NRW’S können die nächste Klein- oder Großstadt in weniger als 20 Minuten erreichen. Es sind moderne und attraktive Lebensräume.
Dazu müssen jedoch eine strukturelle Verbesserung der Finanzkraft des ländlichen Raumes und die Stärkung der Kommunen in den Blick genommen werden. Dazu sollten Europa-, Bundes-, und Landespolitik neben den wettbewerbspolitisch unausweichlichen Metropolregionen auch die Wertschöpfungsmöglichkeiten der ländlichen Gebiete und deren Beitrag zum europäischen Zusammenhalt in den Focus ihrer Strukturförderpolitik nehmen. Gerade im ländlichen Raum liegt erhebliches wirtschaftliches Potenzial, das sich durch hochwertige Arbeitsplätze in Handwerk, Handel, Dienstleistung und Industrie, in der Landwirtschaft oder Lebensmittelerzeugung auszeichnet. Auch die Mehrzahl der kleinen und mittleren Betriebe agiert in den ländlichen Räumen. Ohne seine ländlichen Räume wäre NRW nicht das Industrieland, das es ist.
Damit dies so bleibt, sollte in der struktur- und finanzpolitischen Vorgehensweise auf Europa-, Bundes- und Landesebene die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in den strukturschwachen ländlichen Räumen und den starken Metropolregionen angestrebt werden, anstatt sich bei der Verteilung von Fördergeldern einseitig auf die Metropolen zu konzentrieren. Angezeigt ist vielmehr ein Fördermechanismus, der vorhandene Arbeitsplätze sichert, neue Beschäftigung erschließt und dadurch mehr Wertschöpfung im ländlichen Raum ermöglicht. Dies ist vor allem mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen des demographischen Wandels, der Globalisierung und der Abwanderung junger, qualifizierter Menschen von höchster Bedeutung. Besonders die Folgen des demographischen Wandels sind in den ländlichen Räumen schwieriger zu meistern als in den Ballungszentren. Es gilt, die besonderen wirtschaftlichen Potenziale ländlich geprägter Gebiete – etwa im Hinblick auf die Ansiedlung flächenintensiver Wirtschaft und Industrie - zu nutzen, auszubauen und nicht verkümmern zu lassen. Wenn es gelingt, Arbeitsplätze zu erhalten und neu zu schaffen, könnten die Wanderungsbewegungen zulasten des ländlichen Raums und der strukturschwachen Gegenden begrenzt werden.
Was wir brauchen, ist eine übergreifende Strategie unter Einbeziehung vor allem der Kommunen. Die Landkreise spielen dabei eine große Rolle, weil sie von der Kinderbetreuung und Schulversorgung über Verkehrsdienstleistungen bis hin zu Krankenhäusern viele relevante Verantwortlichkeiten bündeln.
Ihren unterschiedlichen Strukturen entsprechend müssen die ländlichen Räume geeignete Antworten finden auf die großen Herausforderungen der Zukunft. Dabei ist entscheidend, vernetzt und breitgefächert an diese Themen heranzugehen. Mit Blick auf den für den ländlichen Raum folgenschweren demographischen Wandel dürfen Bildung und Kultur, aber auch soziales Gemeinwesen, Mobilität, Kommunikation, medizinische Versorgung und Energieversorgung nicht vernachlässigt werden. Allein die Aufrechterhaltung eines leistungsfähigen Bildungssystems oder der Verkehrsinfrastruktur wird den Landkreisen zukünftig organisatorisch wie finanziell viel abverlangen. Die kommunalen Finanzausgleichssysteme müssen „demographiefest“ ausgestaltet sein, das heißt: die staatlichen Gemeindefinanzierungsmittel dürfen nicht ausschließlich nach Einwohnern verteilt werden, sondern auch nach einem Flächenansatz, um den Erhalt kommunaler Infrastruktur auch bei sinkender Auslastung in der Fläche zu gewährleisten. Zu denken ist hier an so genannte Regionalbudgets, die in kommunaler Hand liegen. Damit könnte der Einsatz von Fördermitteln stärker auf regionalpolitisch sinnvolle Projekte gelenkt werden.
Von besonderer Bedeutung ist eine vernünftige Finanzausstattung zum Ausbau und Erhalt der Straßeninfrastruktur, die einen wesentlichen Beitrag zur Erschließung der Fläche leistet. So haben allein die Kreisstraßen einen Anteil von 40 Prozent am überörtlichen Straßennetz.
Weitere Punkte sind die Ausnutzung der Potentiale des ländlichen Raumes im Bereich der Elektromobilität und ein rascher Ausbau der erneuerbaren Energien, der Speicher und der Übertragungsnetze. Dies ist sowohl entscheidend für eine Energiewende, die überwiegend im ländlichen Raum stattfinden wird, als auch für die Gewährleistung der Chancengleichheit zwischen Ballungsräumen und ländlichen Regionen im Hinblick auf Energieversorgungssicherheit und Gleichpreisigkeit. Es gilt gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Teilräumen sicherzustellen.
Die Zusammenarbeit und wachsendes Vertrauen zwischen den Großstädten und Kreisen haben in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung genommen. Das zeigt sich auch an der immer enger werdenden Kooperation des Rhein-Sieg-Kreises mit der Bundesstadt Bonn, die bei regionalpolitisch wichtigen Aufgaben sowohl auf politischer als auch auf Verwaltungsebene in enger Absprache agieren.
Die Kreise verbinden Menschen und Räume zwischen den Metropolen. Für viele Wirtschaftsbranchen haben sich Unternehmenscluster entwickelt, die sich an ihren jeweiligen Stärken und Besonderheiten und nicht an kommunalen Grenzen orientieren.
Dabei profitieren die Kernstädte von den guten Standortfaktoren der Kreise wie etwa moderne Infrastruktur, Familienfreundlichkeit, Freizeitwert und Natur, die einen guten Lebensraum für die Menschen, aber auch Unternehmen bieten. Ohne ihr Umland wären die Großstädte nicht so vital wie sie sich darstellen. Insofern ergänzen sich Metropole und ländlicher Raum und sollten entsprechend als Einheit verstanden werden.