Rhein-Sieg-Kreis (an) – Die Erinnerung an die Novemberpogrome ist mehr als ein Blick in die Vergangenheit – sie ist ein Auftrag für die Gegenwart und auch die Zukunft: In den Tagen um den 9. und 10. November 1938 wurden überall im Deutschen Reich, so auch in unserem Kreisgebiet, Synagogen in Brand gesetzt, Geschäfte zerstört, Wohnungen verwüstet und unzählige jüdische Menschen gedemütigt, entrechtet, enteignet, verfolgt und ermordet. Die Novemberpogrome markierten einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Verfolgung, existentiellen Bedrohung und systematischen Vernichtung des europäischen Judentums.
Jede Generation trägt die Verantwortung, diese Erinnerung lebendig zu halten und Verantwortung für eine Gesellschaft zu übernehmen, die auf Menschenrechten, Freiheit und Respekt gründet. Insofern ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Schoah auch für Schülerinnen und Schüler von besonderer Bedeutung: Erinnerung vermittelt nicht nur historisches Wissen, sondern stärkt auch demokratische Werte und die Fähigkeit, Diskriminierung, Antisemitismus und Rassismus zu erkennen und ihnen entgegenzutreten.
Gedenken ist so nicht nur ein Blick zurück aus sicherer Distanz, sondern fordert uns auf, Fragen zu stellen und überall dort aufmerksam zu sein, wo Vorurteile, Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung Menschen bedrohen. Die Vergangenheit mahnt uns, dass Demokratie und Menschenrechte niemals selbstverständlich sind. Sie müssen geschützt, verteidigt und mit Leben gefüllt werden.
Bühnenstück von Schülerinnen und Schüler
Im Zentrum der diesjährigen Veranstaltung steht das Thema „Gedenken neu denken“. 14 Schülerinnen und Schüler des Geschichtskurses der Einführungsphase (EF) haben sich intensiv mit der Geschichte der jüdischen Familie Seligmann und den Formen des Erinnerns auseinandergesetzt. Ihr daraus entstandenes Bühnenstück bildet den Mittelpunkt des gemeinsamen Gedenkens.
Die Gedenkveranstaltung findet am Montag, 9. November 2026, ab 16:30 Uhr in der Aula der Gesamtschule Windeck, Hurster Str. 12, in 51570 Windeck-Rosbach statt. Der Eintritt ist frei.
Notburga Kunert, Vizelandrätin des Rhein-Sieg-Kreises, Lisa Winkelmeier-Becker MdB, erste Vorsitzende des Fördervereins Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“, sowie der Autor und Geschichtslehrer Dr. Frank Schweppenstette werden Grußworte sprechen. Die musikalische Umrahmung übernimmt das Duo „Tangoyim“.
13.10.2026/285