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Rhein-Sieg-Kreis

NS-Medizinverbrechen im Westen

Rhein-Sieg-Kreis (hei) – Privatdozent Dr. Ralf Forsbach, Siegburg, wird am Mittwoch, 5. September 2018, um 19.30 Uhr, im Forum des Stadtmuseums Siegburg, Markt 46, über NS-Medizinverbrechen im Westen einen Vortrag halten.

Seit Herbst 2017 widmet sich der Rhein-Sieg-Kreis gemeinsam mit dem Landschaftsverband Rheinland der Erforschung von NS-Medizinverbrechen im heutigen Rhein-Sieg-Kreis. Ziel des bundesweit ersten Forschungsvorhabens auf Kreisebene ist eine wissenschaftliche Lokalstudie, welche die überregional gewonnenen Erkenntnisse auf Landkreisebene überprüft.

Dafür werden zahlreiche Archivalien in unterschiedlichen Archiven ausgewertet, Zeitzeugen befragt und eine Publikation vorbereitet. Ganz konkret wird nach Taten sowie Täterinnen und Tätern, vor allem aber nach vom Unrecht Betroffenen und deren Schicksalen gefragt. Dabei stehen zwangsweise Sterilisationen von Kranken und die Ermordung von psychisch Kranken und geistig Behinderten unter anderem in der Tötungsanstalt Hadamar/Lahn im Vordergrund.

Begleitet wird das Forschungsprojekt von einer Vortragsreihe im Stadtmuseum Siegburg, die in das Thema der NS-Medizinverbrechen einführt. Dabei werden renommierte Wissenschaftler unterschiedliche Aspekte des Themas „NS-Medizinverbrechen“ beleuchten und von bisherigen Forschungsergebnissen berichten. Der Rhein-Sieg-Kreis und das LVR-Internetportal Rheinische Geschichte (www.rheinische-geschichte.lvr.de) laden hierzu alle Interessierten ein.

Der Vortrag von PD Dr. Ralf Forsbach wird in die Geschichte der NS-Medizinverbrechen einführen und nennt Beispiele aus dem Westen des Reichsgebiets. Seit 1934 wurden als „erbkrank“ bezeichnete Menschen zwangssterilisiert, Personen aus dem heutigen Rhein-Sieg-Kreis vor allem in der Frauenklinik und in der Chirurgischen Klinik der Universität Bonn. Nicht wenige von ihnen wurden später in den „Euthanasie“-Aktionen ermordet, im Westen vor allem in der Tötungsanstalt Hadamar an der Lahn. Auch von verbrecherischen Humanexperimenten in Konzentrationslagern wird die Rede sein.

PD Dr. Ralf Forsbach, geboren 1965, studierte ab 1984 Geschichte, Politische Wissenschaft und Völkerrecht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und schloss 1990 mit dem Magister Artium ab. 1995 wurde er bei Klaus Hildebrand mit der Dissertation „Kiderlen-Wächter und die deutsche Außenpolitik“ promoviert. Von 1994 bis 1995 leitete er kommissarisch das Archiv der Universität Bonn, von 1995 bis 1997 war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Rostock tätig, von 1997 bis 1999 am Historischen Seminar der Universität Bonn und seit 1999 am Medizinhistorischen Institut der Universität Bonn. Dort habilitierte er sich 2006 über „Die Medizinische Fakultät der Universität Bonn im ‚Dritten Reich‘“ und wurde zum Privatdozenten ernannt. 2015 wechselte er an das Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin an der Universität Münster. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, vor allem die Diplomatie- und Sozialgeschichte des Kaiserreichs, die NS-Medizin sowie die Gesundheitspolitik seit 1945.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenfrei. 

Die weiteren Veranstaltungen der Vortragsreihe auf einen Blick:

Mittwoch, 14. November 2018, 19.30 Uhr
Dr. Helmut RÖNZ (Bonn)
Widerstand gegen NS-Medizinverbrechen im Rheinland

Mittwoch, 23. Januar 2019, 19.30 Uhr
Prof. Dr. Michael KIßENER (Mainz)
NS-Medizinverbrechen im deutschen Südwesten – Erträge und Desiderate der Forschung

Mittwoch, 20. März 2919, 19.30 Uhr
Dr. Thomas Roth (Köln)
Der „Rhein-Sieg-Kreis“ im Nationalsozialismus – Strukturen, Behörden und Parteiinstanzen“

20.08.2018/388

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