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Rhein-Sieg-Kreis

NS-Medizinverbrechen im heutigen Rhein-Sieg-Kreis – Vortragsreihe „Euthanasie“

Rhein-Sieg-Kreis (ke) – Seit Herbst vergangenen Jahres widmet sich der Rhein-Sieg-Kreis gemeinsam mit dem Landschaftsverband Rheinland der Erforschung von NS-Medizinverbrechen im ehemaligen Siegkreis und Landkreis Bonn. Begleitet wird das Forschungsprojekt nun von einer Vortragsreihe im Stadtmuseum Siegburg. Götz Aly wird sie am Mittwoch, 27. Juni 2018, um 19:30 Uhr mit seinem Vortrag „Die ‚Euthanasie‘ und die deutsche Gesellschaft“ eröffnen. Der Eintritt ist frei.

Götz Aly, 1947 in Heidelberg geboren, studierte Politische Wissenschaft und Geschichte. Durch seine Bücher zum Nationalsozialismus, aber auch zu Themen wie „1968“ gilt er als Querdenker und als einer der bekanntesten deutschen Forscher zum Nationalsozialismus. Dafür wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Heinrich-Mann-Preis, dem Bundesverdienstkreuz am Bande, dem Ludwig-Börne-Preis und zuletzt mit dem Estrongo-Nachama-Preis.

Aly betont mit Blick auf die NS-„Euthanasie“ die gesellschaftliche Verantwortung für die Verbrechen. Denn nicht wenige Angehörige, so seine These, fühlten sich nach der Tötung psychisch Kranker oder geistig Behinderter erleichtert, der nationalsozialistische Staat hatte ihnen eine Last genommen. Stille Dankbarkeit für die Tötung von Menschen mag verbunden mit Scham erklären, wieso über die „Euthanasie“-Morde jahrzehntelang in der Wissenschaft wie in der Öffentlichkeit ein marginales Thema blieben, so seine Hypothese.

An den Vortrag von Götz Aly schließen sich bis März 2019 unter der Überschrift „‘Euthanasie‘, Zwangssterilisationen, Humanexperimente – NS-Medizinverbrechen im heutigen Rhein-Sieg-Kreis“ vier weitere Referenten an.

Der Rhein-Sieg-Kreis und das LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte haben das Forschungsprojekt zu den während der NS-Zeit auf dem Gebiet des heutigen Rhein-Sieg-Kreises verübten Medizinverbrechen initiiert. Als weiterer Projektpartner ist die Universität Bonn (Lehrstuhl Prof. Dr. Joachim Scholtyseck) in die Vereinbarung einbezogen.

Ziel des bundesweit ersten Forschungsvorhabens auf Kreisebene ist eine wissenschaftliche Lokalstudie, die die überregional gewonnenen Erkenntnisse auf Landkreisebene überprüft. Dafür werden zahlreiche Archivalien in unterschiedlichen Archiven ausgewertet, Zeitzeugen befragt und eine Publikation vorbereitet. Ganz konkret wird nach Taten sowie Täterinnen und Tätern, vor allem aber nach vom Unrecht Betroffenen und deren Schicksalen gefragt. Dabei stehen zwangsweise Sterilisationen von Kranken und die Ermordung von psychisch Kranken und geistig Behinderten unter anderem in der Tötungsanstalt Hadamar/Lahn im Vordergrund.

Die weiteren Veranstaltungen der Vortragsreihe:

Mittwoch, 5. September 2018, 19.30 Uhr
PD Dr. Ralf FORSBACH (Siegburg)
NS-Medizinverbrechen im Westen

Mittwoch, 14. November 2018, 19.30 Uhr
Dr. Helmut RÖNZ (Bonn)
Widerstand gegen NS-Medizinverbrechen im Rheinland

Mittwoch, 23. Januar 2019, 19.30 Uhr
Prof. Dr. Michael KIßENER (Mainz)
NS-Medizinverbrechen im deutschen Südwesten – Erträge und Desiderate der Forschung

Mittwoch, 20. März 2919, 19.30 Uhr
Dr. Thomas ROTH (Köln)
Der „Rhein-Sieg-Kreis“ im Nationalsozialismus – Strukturen, Behörden und Parteiinstanzen“ (AT)

13.06.2018/265

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