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Rhein-Sieg-Kreis

80. Jahrestag der Novemberpogrome 1938: Gedenkstunde des Rhein-Sieg-Kreises mit Dr. Alexander Friedmann

Rhein-Sieg-Kreis (hei) – Am Freitag, 9. November 2018, wird zum 80. Jahrestag der Novemberpogrome 1938 eine offizielle Gedenkstunde des Rhein-Sieg-Kreises stattfinden. Landrat Sebastian Schuster und Michael Solf, 1. Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Landjuden an der Sieg, werden Grußworte sprechen. Gastredner ist Dr. Alexander Friedmann, Lehrbeauftragter an der Universität des Saarlandes und an der Science Po Paris in Nancy. Mit seinem Vortrag über „Die ´Reichskristallnacht´(1938) und ihre Rezeption in der Sowjetunion“ wird er den zentralen Beitrag der Gedenkstunde gestalten.

Im November 1938 verfolgte die internationale Presse aufmerksam die antisemitischen Pogrome im „Dritten Reich“. Auch in der Sowjetunion wurde ausführlich über die antijüdischen Ausschreitungen berichtet, wobei die kommunistische Propaganda die Tragödie des deutschen Judentums aufgriff, um das Feindbild der verbrecherischen NS-Diktatur zu veranschaulichen. Wie stellte die sowjetische Presse die ‚Reichskristallnacht‘ dar? Wurde die Berichterstattung über den Antisemitismus in Deutschland in erster Linie durch die angespannte innenpolitische Lage in der Sowjetunion beeinflusst? Versuchte Moskau, europäische Juden für sich zu gewinnen? Diese und weitere Fragen werden im Vortrag beantwortet.

Mit der Gedenkstunde mahnt und erinnert der Rhein-Sieg-Kreis an die Pogrome in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938. In ganz Deutschland – so auch im Gebiet des heutigen Rhein-Sieg-Kreises – wurden Synagogen durch Angehörige von SS und SA zerstört und in Brand gesteckt, die Wohnungen und Geschäfte jüdischer Bürger und Bürgerinnen mit öffentlicher Billigung geplündert sowie viele jüdische Bürger und Bürgerinnen misshandelt oder willkürlich verhaftet. Die Bilanz des Pogroms war erschreckend: Über tausend Synagogen wurden durch Feuer und Vandalismus vernichtet, mindestens 8.000 jüdische Geschäfte zerstört sowie zahllose Wohnungen verwüstet. Ungefähr 100 jüdische Bürger und Bürgerinnen waren erschlagen, niedergestochen oder zu Tode geprügelt worden. Diese Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung waren bis dahin der Höhepunkt eines staatlichen, nicht nur tolerierten, sondern aktiv unterstützten Antisemitismus, der mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 seinen Anfang genommen hatte. Die Ereignisse bedeuteten eine Katastrophe für die bürgerliche Existenz und das Bewusstsein vieler jüdischer Bürger und Bürgerinnen.

Der Eintritt zur Gedenkstunde am 9. November 2018 findet um 16.00 Uhr in der Gedenkstätte Landjuden an der Sieg, Bergstraße 9, 51570 Windeck-Rosbach, ist kostenfrei.

Im Anschluss an die Gedenkstunde findet um 18.00 Uhr in der Evangelischen Kirche Rosbach, Kirchplatz 6, 51570 Windeck-Rosbach, ein Klezmerkonzert mit der Gruppe SAITENSPRUNG statt.

Kontakt:
Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“
c/o Archiv des Rhein-Sieg-Kreises (Kreishaus)
Kaiser-Wilhelm-Platz 1
53721 Siegburg
Tel.: 02241 / 13-2928
Fax: 02241 / 13-2179
E-Mail: gedenkstaetterhein-sieg-kreisde
Internet: www.rhein-sieg-kreis.de/gedenkstaette

Bis voraussichtlich Mitte 2019 ist die Gedenkstätte (Museumsgebäude) wegen Sanierungsarbeiten und Neukonzeption der Dauerausstellung geschlossen. Die Veranstaltungsreihe ist hiervon nicht betroffen und findet wie angekündigt statt.

23.10.2018/526

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