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Rhein-Sieg-Kreis

Erster Ansprechpartner in Krisen: Begleitung der Familien- und Erziehungsberatung wird früh nachgefragt

Rhein-Sieg-Kreis (hei) – Wenn Familien, Eltern, Kinder oder Jugendliche Schwierigkeiten mit der Erziehung, mit der Schule oder mit anderen Lebenssituationen haben, wenden sie sich in der Regel früh an die Familien-und Erziehungsberatung des Rhein-Sieg-Kreises.

„Unsere Beratung ist niederschwellig angelegt, erreicht die Ratsuchenden früh. Ein Vorteil ist, dass sich die Menschen untereinander, über Freunde, Bekannte, Nachbarn, bei bestimmten Lebenslagen die Beratung der Familien- und Erziehungsberatungsstellen empfehlen“, berichtete Volker Neuhaus, Leiter der Psychologischen Beratungsdienste, jetzt den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses des Kreises. Routinemäßig wird der Jugendhilfeausschuss auch über die Arbeit der Beratungsstellen informiert.

Das Alltagsgeschäft zeichne sich durch ein Maß an Flexibilität und Freiheit aus, welches es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erlaube, Menschen punktuell und über einen längeren Zeitraum hinweg zu begleiten und zu stützen.

So erinnerte sich Volker Neuhaus an eine junge Frau, die in schwierigen Situationen immer wieder bei der Beratungsstelle angedockt hatte und die Hilfe bekam, die sie in ihrer aktuellen Lage brauchte. Heute ist die junge Frau über 18 Jahre und hat sich stabilisiert. Während der individuellen und vertraulichen Beratung, die der Schweigepflicht unterliegt, konnte sie über familiäre und über schulische Krisen hinweg gestützt werden; auch konnten psychiatrische Probleme abgefangen und überwunden werden. Diese Form der Begleitung durch die Familien- und Erziehungsberatungsstelle kann in bestimmten Fällen Menschen eine Stütze sein, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in einer zeitlich festgelegten Therapie sind. „Mit dieser punktuellen Begleitung und Unterstützung konnten in dem Fall der jungen Frau sehr wahrscheinlich Hilfe zur Erziehung, stationäre Aufenthalte und ein Schulabgang vermieden werden.“

Im Unterschied zum Landesdurchschnitt steigt im Rhein-Sieg-Kreis die Kurve der Fallzahlen stetig. Warum sich vermehrt Personen an die Familien- und Erziehungsberatungsstellen des Rhein-Sieg-Kreises wenden, führt Volker Neuhaus auf das niedrigschwellige Angebot zurück. „Die Menschen verbinden mit den Beratungsstellen Gesichter und nicht eine anonyme Institution“, weiß der Diplom-Psychologe aus der Praxis. Aufgrund ihrer Sprechstunden in den Familienzentren, Kindertagesstätten oder aufgrund von Elternabenden sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon vor Ort bekannt. Zu dieser guten Vernetzung im Sozialraum kommt ein täglich besetztes Sekretariat hinzu. Dies alles führt zu einer recht kurzen Wartezeit: 78 Prozent der Ratsuchenden erhielten in 2018 innerhalb von zwei Wochen ein persönliches Anmeldegespräch; im Landesdurchschnitt waren es 63 Prozent. Lediglich vier Prozent der Ratsuchenden mussten länger als einen Monat warten.

In der Regel, also in 67 Prozent aller Beratungsfälle, ist diese in weniger als sechs Monaten abgeschlossen; nur in zwei Prozent der Fälle dauert die Beratung länger als 18 Monate.

Die Themen der Beratungen sind unterschiedlich. Doch ein Trend ist ungebrochen: die Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien sind überrepräsentiert. Bei 39 Prozent aller Anmeldungen werden Trennungs- und Scheidungsbelastungen als Beratungsgrund genannt.

Und auf eine weitere Entwicklung machte Volker Neuhaus aufmerksam: Wiewohl die niedrigschwelligen und präventiven Angebote gut angenommen werden, steigt die Zahl komplexer Einzelfälle. Es wenden sich Menschen an die Beratungsstellen, die bereits zahlreiche Hilfen in Anspruch genommen haben oder deren Lebenssituation eine aufwändige qualifizierte Beratung erfordert.

„Die Lebenssituationen der Eltern, Kinder und Jugendlichen sind sehr individuell. Darauf möchten wir mit den möglichst ortsnahen Angeboten eingehen“, legte Volker Neuhaus im Jugendhilfeausschuss dar.

Die Familien- und Erziehungsberatungsstellen in Trägerschaft des Rhein-Sieg-Kreises umfasst vier Erziehungs- und Familienberatungsstellen in Siegburg, Mühlenstraße 49, in Eitorf, Brückenstraße 25, in Rheinbach, Aachener Straße 16, und in Bornheim, Brunnenallee 31. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilden ein multidisziplinäres Fachteam. Die Beratung unterliegt grundsätzlich der Schweigepflicht und Freiwilligkeit. Alle Beratungs- und Hilfsangebote sind kostenfrei.

24.09.2019/399

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