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Rhein-Sieg-Kreis

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Mit alternativen Formen der Familien-und Erziehungsberatung Krisen den Wind aus den Segeln nehmen

Rhein-Sieg-Kreis (hei) – Die Corona-Pandemie und die Hochwasserkatastrophe haben das Leben der Familien, der Kinder, Jugendlichen und auch das Leben derer, die beruflich mit ihnen befasst sind, gehörigen Veränderungen ausgesetzt. Die Sorgen und Nöte von Eltern, Kindern und Jugendlichen sowie die pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen haben die praktische Arbeit der Familien- und Erziehungsberatungsstellen herausgefordert.

„Die Beratungen mussten und müssen gerade in Krisenzeiten weitergehen. Es ist angesichts der Kontaktbeschränkungen nach einer Anlaufphase gelungen, auf alternative Formen der Beratung umzusteigen“, fasst jetzt Volker Neuhaus, Leiter der Familien-und Erziehungsberatung des Rhein-Sieg-Kreises mit seinen vier Außenstellen in Siegburg, Eitorf, Rheinbach und Bornheim, im Jahresbericht 2020 der Familien- und Erziehungsberatungsstellen zusammen.

Zu Beginn der Pandemie wurden zunächst vermehrt Beratungen übers Telefon durchgeführt. Bald darauf konnten mit WebEX, Zoom oder Jitsi und mit viel Engagement neue Beratungsformate entwickelt werden. Hinzu kamen einige Kilometer an Spaziergängen mit den Ratsuchenden zusammen. Insgesamt waren und sind diese Formate hilfreich, können aber den persönlichen Kontakt kaum ersetzen.

Ein wichtiges Fazit zieht Volker Neuhaus: „Sicherlich sind die Risiken, die diese Pandemie für die Entwicklung, Bildung und nicht zuletzt auf den Erwerb sozialer Fertigkeiten unserer Jugend haben wird, noch nicht abschließend zu bewerten.“ Nach monatelangem Homeschooling, mit viel Betreuung der Kleinsten zu Hause und weitestgehender Kontaktlosigkeit der Familien, erreichten die Familien- und Erziehungsberatungsstellen des Kreises zunehmend mehr aufrichtig verzweifelte Anrufe von Eltern. Die Zahl der Jugendlichen, denen ihre Tagesstruktur verloren gegangen ist, muss als besorgniserregend eingeschätzt werden.

Und auf einen weiteren besonderen Umstand macht die Statistik aufmerksam: während die Anzahl der Fälle und Neuanmeldungen im Vergleich zu den Vorjahren weitestgehend konstant blieb, sank die Anzahl der abgeschlossenen Fälle. Grund dafür ist, dass oftmals Tagesaktuelles hinzukam. „In dieser verunsichernden Zeit haben Familien wie Fachkräfte einen Beratungsprozess eher fortgesetzt, als abgeschlossen.“, so Volker Neuhaus.  

Auch über eine aktuelle Entwicklung kann Volker Neuhaus berichten. Ab Oktober 2021 wird eine „Fachstelle Prävention und Intervention bei Sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“ eingerichtet. Sie wird an die Familien- und Erziehungsberatungsstellen auf beiden Rheinseiten angebunden. Hintergrund der Einrichtung der neuen Fachstelle sind die massiven Vorfälle unter anderem in Lüdge und in Bergisch Gladbach. Das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW fördert die drei vorgesehenen Personalstellen zu 80 Prozent.

Die Hochwasserkatastrophe, gerade im linksrheinischen Kreisgebiet, stellt die Menschen vor massive Herausforderungen. Sie geht am Familienleben und an der seelischen Befindlichkeit der Kinder und Jugendlichen nicht spurlos vorüber. Auch die Mitarbeitenden der betroffenen Gemeinden sind mit bislang unbekannten Anfragen und Handlungsherausforderungen konfrontiert. Vor diesem Hintergrund hat es sich ergeben, dass die Fachkräfte der Familien-und Erziehungsberatung gemeinsam mit denen der Schulpsychologischen Beratungsstelle Mitarbeitenden der Gemeinde Swisttal zur Seite stehen.
Einzelne Betroffene haben sich direkt an die Beratungsstellen gewendet. „Oftmals ging es zunächst darum, das Erlebte ausführlich zu erzählen und den Umgang damit zu besprechen“, berichtet Volker Neuhaus.

6.10.2021/533

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