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Rhein-Sieg-Kreis

1 Jahr nach der Flut: „Die schlimmste Naturkatastrophe im Rhein-Sieg-Kreis“

Rhein-Sieg-Kreis (an) – „Es war die schlimmste Naturkatastrophe, die bislang über den Rhein-Sieg-Kreis hereingebrochen ist“, erinnert sich Landrat Sebastian Schuster. „Mit dieser Dimension der Zerstörung hat niemand gerechnet, die Erinnerung an die schrecklichen Bilder macht heute noch fassungslos.“

Starkregen, Flutwellen und Hochwasser haben am Mittwoch, 14. Juli 2021, den Rhein-Sieg-Kreis heimgesucht und verheerende Schäden angerichtet: Das Wasser zerstörte Straßen, Häuser, Brücken und schnitt Ortsteile komplett von der Außenwelt ab. Ganze Wohnviertel wurden unbewohnbar, 9 Menschen verloren im Zusammenhang mit dem Unwetter ihr Leben.

Dank an alle Helfenden

Bis zu 2.000 Rettungskräfte waren in den ersten Stunden und Tagen im Einsatz: Feuerwehren, Landespolizei, Bundespolizei, Bundeswehr, Hilfsdienste, THW oder DLRG retteten Menschen und versorgten die Opfer.

Das Leid und die Verzweiflung hatte aber auch eine Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft ausgelöst. Tausende Privatpersonen, unzählige Unternehmen, Institutionen oder Einrichtungen unterstützten schnell und unkompliziert direkt vor Ort: Landwirte räumten Straßen frei, Freiwillige schippten Schlamm oder organisierten Essensausgaben.

„Allen Helferinnen und Helfern, allen Rettungskräften, allen, die sich, wie auch immer, für die Flutopfer eingesetzt haben, möchte ich auch 1 Jahr danach ganz herzlich danken und aus voller Überzeugung meinen höchsten Respekt und meine größte Anerkennung aussprechen“, so Landrat Schuster.

Den Rhein-Sieg-Kreis für die Zukunft sichern

„Jetzt gilt es, den Hochwasserschutz weiter voran zu treiben, um auf derartige Unwetter besser vorbereitet zu sein“, blickt Landrat Sebastian Schuster in die Zukunft.

Der Kreis hatte bereits vor dem Juli 2021 damit begonnen: In Abstimmung mit den kreisangehörigen Kommunen wird ein Starkregen-Risikomanagement entwickelt. In Planung ist z.B. eine kreisweite Gefahrenkarte, die für verschiedene Starkregen die Folgen und Risiken für alle Flächen beinhaltet und Handlungsempfehlungen bereithält.

Landrat Schuster: „Die Rettungskräfte sprechen im Einsatz davon, vor die Lage zu kommen. Das müssen wir als Kommune auch!“

Rückblick auf die Ereignisse:

Am Mittwoch, 14. Juli 2022, gingen mehr als 12.000 Anrufe in der Leitstelle des Rhein-Sieg-Kreises im Kreishaus in Siegburg ein. Das waren nicht nur Notrufe über die „112“ – die Menschen versuchten auch auf anderen Leitungen die Leitstelle zu erreichen. Zum Vergleich: An einem normalen Tag mitten in einer Arbeitswoche sind es im Durchschnitt rund 1.000 Anrufe, inklusive der Notrufe.

Um 19:45 Uhr rief Kreisbrandmeister Dirk Engstenberg die Großeinsatzlage aus. Krisenstab und Einsatzleitung wurden aktiviert und Vollalarm für das Kreisgebiet ausgelöst.

In Lohmar-Donrath drohte in der Nacht auf Donnerstag, 15. Juli 2021, ein Damm der Agger zu brechen. Vorsorglich wurden die Anwohnenden in eine Betreuungsstelle in der Jabachhalle gebracht. Bereits am Donnerstagmorgen war aber wieder so viel Wasser abgelaufen, dass Entwarnung gegeben werden konnte.

Evakuierungen wegen der Steinbachtalsperre

Durch den andauernden Regen war die Steinbachtalsperre im Kreis Euskirchen übergelaufen, auch hier drohte die Staumauer zu brechen. Wäre das geschehen, hätten sich über 1 Milliarde Liter Wasser u.a. in Richtung Swisttal und Rheinbach ergossen und alles mitgerissen.

Vorsorglich wurden die Ortschaften im Gefährdungsbereich der Steinbachtalsperre evakuiert: Miel, Essig, Ludendorf und Odendorf in Swisttal sowie Niederdrees und Oberdrees in Rheinbach. Rund 8.000 Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Als genügend Wasser aus der Steinbachtalsperre abgelassen wurde, konnte Entwarnung gegeben werden.

Spendenkonto und Stabsstelle „Wiederaufbau“

Der Rhein-Sieg-Kreis richtete zwei Spendenkonten ein, um den betroffenen Menschen schnell zu helfen. Über 2,5 Millionen Euro kamen hier zusammen, eine Spendenkommission bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern des Kreises, der Kommunen und der Kreispolitik entschied über die Verteilung der Gelder.

Gleichzeitig begannen die Vorbereitungen zur Gründung der neuen Stabsstelle „Wiederaufbau“. Mitarbeitende der Kreisverwaltung, der betroffenen Städte und Gemeinden sowie zahlreiche Ehrenamtliche waren Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für die Menschen in den Flutgebieten. Sie schufen Netzwerke und koordinierten die Hilfsangebote vor Ort.

Finanzielle Hilfen vom Land

Das Land NRW stellte Soforthilfen für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Angehörige freier Berufe, Landwirte und Kommunen in Höhe von 200 Millionen Euro zur Verfügung. Besonders betroffene Bürgerinnen und Bürger konnten einen Antrag auf finanzielle Hilfeleistung stellen.

Aus diesen Mitteln flossen über 17,5 Millionen Euro in den Rhein-Sieg-Kreis, vor allem in die am schwersten betroffenen Kommunen wie Swisttal, Rheinbach und Meckenheim. Mehr als 14,2 Millionen Euro wurden an Privatleute ausbezahlt, rund 3,3 Millionen Euro an Unternehmen.

Anschließend kündigte das Land NRW eine Wiederaufbauhilfe in Höhe von rund 12,3 Milliarden Euro aus dem Aufbaufonds 2021 an. Die Stabsstelle „Wiederaufbau“ unterstützte Bürgerinnen und Bürger, die über keinen Internetanschluss verfügten oder allgemein Hilfe bei der Antragstellung benötigten. An vier Standorten und auch mobil vor Ort wurden bis heute mehr als 3.700 Beratungen durchgeführt, aktuell sind es noch zwischen 80 und 100 Beratungen pro Woche.

11.7.2022/339

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