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Rhein-Sieg-Kreis

Offizielle Gedenkstunde anlässlich des 85. Jahrestages der Novemberpogrome 1938

Rhein-Sieg-Kreis (db) – Die Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“ lädt am Donnerstag, 9. November 2023, zu einer offiziellen Gedenkstunde anlässlich des 85. Jahrestages der Novemberpogrome 1938 ein. Die Veranstaltung in der Evangelischen Salvatorkirche am Kirchplatz 8, 51570 in Windeck-Rosbach, beginnt um 16:00 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten unter 02241 13-2928 oder gedenkstaetterhein-sieg-kreisde.

In den Tagen um den 9. November 1938 wurden in ganz Deutschland – auch im Gebiet des heutigen Rhein-Sieg-Kreises – Synagogen durch Angehörige von SS und SA zerstört und in Brand gesteckt, die Wohnungen und Geschäfte jüdischer Bürgerinnen und Bürger mit öffentlicher Billigung geplündert und viele Jüdinnen und Juden misshandelt oder willkürlich verhaftet.

Die Bilanz des Pogroms war erschreckend: Mehr als 1.400 Synagogen oder Betstuben sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Rund 30.000 jüdische Menschen wurden in Konzentrationslagern inhaftiert, Hunderte von ihnen wurden ermordet oder starben an den Haftfolgen. Mindestens 127 Menschen verloren während und kurz nach den Novemberpogromen ihr Leben – dies allein auf dem Gebiet des heutigen Landes Nordrhein-Westfalen.

Diese Ausschreitungen gegen Juden waren bis dahin der Höhepunkt eines staatlichen, nicht nur tolerierten, sondern aktiv unterstützten Antisemitismus, der mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 seinen Anfang genommen hatte. Die Ereignisse bedeuteten eine Katastrophe für die bürgerliche Existenz und das Bewusstsein vieler jüdischer Bürger.

Im Zentrum der Gedenkstunde in der Evangelischen Salvatorkirche in Windeck steht eine Lesung aus „Augenzeugenberichte. Gewalt, Exzess, Zerstörung“. Diese beschreiben die Eskalation antijüdischer Gewalt und die Folgen für die jüdische Bevölkerung des Deutschen Reiches.

Schon unmittelbar nach den Novemberpogromen sammelte das von dem emigrierten deutschen Juden Alfred Wiener gegründete »Jewish Central Information Office« in Amsterdam mehr als 350 Augenzeugenberichte, die unmittelbar und teils noch während der vom NS Staat organisierten Ausschreitungen niedergeschrieben wurden. Max Seligmann aus Rosbach berichtete viele Jahre später in seinem Antrag auf Entschädigung als »rassisch Verfolgter« über die grauenvollen Ereignisse, die sich vor 85 Jahren in unzähligen deutschen Städten und Dörfern ereignet hatten.

Auch weitere Berichte stammen aus dem Gebiet des heutigen Rhein-Sieg-Kreises. Die Lesung der Texte und ihre historische Einordnung übernehmen Dr. Claudia Arndt, Leiterin des Kreisarchivs, Dr. Karl Schwerdtfeger, Mitglied des Fördervereins, und Saskia Klemp, Mitarbeiterin der Gedenkstätte.
Vizelandrätin Notburga Kunert und die Erste Vorsitzende des Fördervereins Gedenkstätte Landjuden an der Sieg e.V, Elisabeth Winkelmeier-Becker MdB, werden Grußworte sprechen. Die Veranstaltung wird musikalisch umrahmt von Bella Liebermann und Katya Kaschuba.

24.10.2023/356

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