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Rhein-Sieg aktuell

Bammschlagen – die hohe Kunst des manuellen Glockenspiels

Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2026

Rhein-Sieg-Kreis (dwo) – Wenn in Bornheim-Brenig zu Ostern aus dem Kirchturm ein außergewöhnliches Glockenspiel erklingt, können alle die Tradition des „Beierns“ und „Bammschlagens“ genießen. An kirchlichen Feiertagen wie Ostern, Weihnachten oder am Fest des Pfarrpatrons „beiert“ man in Brenig leidenschaftlich. Das manuelle „Glockenbeiern“ ist eine Kunst, die in dem Vorgebirgsort heute noch gelebt und gepflegt wird. Bereits 1723/24 wird in den Archiven der Breniger Pfarrei das Bammschlagen erwähnt, das im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts in vielen Orten des Rheinlandes Verbreitung fand. Heute gibt es einen „Pool“ an zehn bis zwölf „Bammschlägern“, von denen regelmäßig fünf bis acht zu den traditionellen Terminen erscheinen.

Autor Hans Clasen geht in seinem Beitrag, der im Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2026 erschienen ist, nicht nur auf die Historie des Glockenspiels ein, sondern er stellt detailliert die Prozedur dar, bei der die Glocken in einer überlieferten Ton- und Rhythmusfolge angeschlagen werden. Hierfür befestigt man die Klöppel so über Seile, damit diese an den inneren Mantel schlagen. Eine bewegliche Rolle verhindert Beschädigungen an der Glocke. Für das „Fangen“ des Klöppels vor und nach dem Bammschlagen braucht es viel Geschick und Erfahrung.

Die Leserinnen und Leser erfahren zudem genaueres über den Bamm, die „Dubbele“ und den „Durjenee“, die rund 45 Minuten lang die Zuhörerinnen und Zuhörer begeistern. Sicherlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, deshalb sollten Bamm-Azubis Abläufe und Melodien vorher verinnerlichen. Die Proben finden jedoch nicht an Ort und Stelle statt, vielmehr ist das Üben mit Löffeln und anderen Besteckteilen auf unterschiedlich mit Wasser gefüllten Glasflaschen üblich. „Zeitweise wurde von Anfängern zu Hause auch durch das Schlagen auf Schüsseln geübt. Nachdem allerdings die Mütter der jungen Möchtegern-Bammschläger gegen die Nutzung von Porzellanschüsseln intervenierten, war die ausschließliche Verwendung von Flaschen alternativlos“, umschreibt Hans Clasen das Engagement des Bammschläger-Nachwuchses. 

Ergänzt durch viele Fotos tauchen die Leserinnen und Leser in die Welt von „Beiern“ und „Bammschlagen“ ein und bekommen einen umfassen Einblick in diese musikalische Tradition.

Das Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2026 „Feste, Märkte, Events – Lebendige Kultur im Rhein-Sieg-Kreis“ ist in der Edition Blattwelt von Reinhard Zado erschienen und für 18 Euro im Buchhandel erhältlich. Ein ideales Geschenk zu Ostern für Menschen, die sich für ihre Heimat begeistern. Weitere Informationen unter www.rhein-sieg-kreis.de/jahrbuch.

Nach dem Jahrbuch ist vor dem Jahrbuch: Unter dem Arbeitstitel „Wenn aus Nachbarn Freunde werden – Europäische Beziehungen im Rhein-Sieg-Kreis“ wird sich das Jahrbuch 2027 mit den vielfältig gelebten Verbindungen innerhalb Europas befassen – von Städte- und Gemeindepartnerschaften über Schülergruppen bis zu engem Austausch im Sport, Kultur, Wirtschaft, Bildung und Forschung. Es wird berichten wie die gelebten Verbindungen persönlich und gesellschaftlich bereichern und die Grundlage für Völkerverständigung bilden.

Die Redaktion des Jahrbuchs freut sich über Vorschläge, Ideen und Anregungen per Mail an jahrbuchrhein-sieg-kreisde.

24.03.2026/087

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Bildnachweise

  • Herbert Brandenburg
  • Norbert Bollenbeck

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