Veranstaltungsinformationen
Datum & Uhrzeit
14:45 bis 16:15Vortrag von Marion Schubert
Mindestens 18.000 bis 25.000 verfolgte Jüdinnen und Juden gelang die Flucht aus Deutschland und Europa in die chinesische Stadt Shanghai.
Shanghai war damals eine durch den zweiten japanisch-chinesischen Krieg in großen Teilen zerstörte Stadt, besonders der Stadtteil Hongkou. Es war jedoch die einzige Stadt weltweit, die für die Einreise weder Visum noch Pass verlangte. Um dort überleben zu können, mussten die jüdischen Emigrantinnen und Emigranten harte Arbeit leisten, Kriegstrümmer beseitigen oder Häuser wiederaufbauen.
Als die Stadt nach dem Angriff auf Pearl Harbor von Japan erobert wurde, verschlimmerte sich die Lage der europäischen Jüdinnen und Juden in Schanghai von Tag zu Tag. Zwischen 1943 und 1945 durften rund 23.000 „staatenlose Juden“ nur im „begrenzten Bezirk für staatenlose Flüchtlinge“ in Hongkou wohnen, dieser Ort wurde auch „Schanghaier Ghetto“ genannt.
Marion Schubert (geb. Salomon) wurde 1946 in Shanghai geboren. Ihre jüdischen Eltern waren in der Silvesternacht 1938/39 vor den Nationalsozialisten nach China geflohen. Auch für sie war das Leben im Exil hart.
Nachdem ab 1945 Mao Zedong und der Kommunismus erstarkten, galten Europäerinnen und Europäer als Kapitalisten. 1948 floh Familie Salomon erneut mit der nun zweieinhalbjährigen Tochter Marion nach Israel. Ihr Vater musste dort bei 40 Grad Steine klopfen und ihre Mutter fand Arbeit als Putzhilfe. Da das heiße Klima für die Familie Salomon unerträglich war, kehrten sie 1953 nach Berlin zurück.
Nach ihrem Schulabschluss machte Marion Salomon ein freiwilliges soziales Jahr im „Institut für Praktische Psychologie, Erziehungsberatung und Heilpädagogik“ und lernte Fremdsprachenkorrespondenz. Einige Jahre später reiste sie erneut nach Israel und lebte in einem Kibbuz.
Als ihr Vater mit 64 Jahren erkrankte, kehrte sie nach Deutschland zurück und lernte ihren Mann Reinhard Schubert (1944–2000) kennen. Dieser setzte sich als Jurist im Bundesjustizministerium für die Aufhebung von NS-Unrechtsurteilen ein. Das Wort aus Psalm 34 – „Suche Frieden und jage ihm nach“ nimmt Marion Schubert in all ihrem Engagement wörtlich.
Eintritt
Der Eintritt ist frei.