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Rhein-Sieg-Kreis

Haskala und Geschichte des Judentums in der Aufklärung

Gedenkstätte "Landjuden an der Sieg"

Veranstaltungsinformationen

Datum & Uhrzeit

14:45 bis 16:15

Vortrag von Saskia Klemp M.A.

„Haskala“ ist die Bezeichnung der jüdischen Aufklärungsbewegung des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Besonders für das aschkenasische Judentum war es nicht weniger als eine Revolution, die Auswirkungen auf die jüdische Existenz der Moderne bis in die Gegenwart hat. Ihr wohl bekanntester Vertreter war Moses Mendelssohn. Er pflegte ein hochinteressantes, philosophisches Verhältnis zu Immanuel Kant: Sie waren zugleich Konkurrenten, Gesprächspartner und gegenseitige Bezugspunkte.

Eine berühmte Geschichte berührt die Preisfrage eines Wettbewerbs der damaligen Königlich Preußischen Akademie der WWissenschaften im Jahr 1763. Die Akademie fragte: „Können metaphysische Wahrheiten mit derselben Gewissheit bewiesen werden wie geometrische Wahrheiten?“ Sowohl Mendelssohn als auch Kant reichten anonyme Essays ein. Doch welcher der beiden Philosophen hat diesen Wettbewerb gewonnen? Was bedeutete überhaupt Haskala für die Entwicklung und Geschichte der jüdischen Gemeinden in Mittel- und Osteuropa?

Heute könnte eine Künstliche Intelligenz diese Fragen möglicherweise in Sekundenschnelle beantworten. Doch für die Zeitgenossen Mendelssohns und Kants stellte die Haskala einen ausgesprochen komplexen Prozess voller Widersprüche dar, an dem sich jüdische Aufklärerinnen und Aufklärer in Königsberg, Odessa, Breslau, Prag, Berlin, Wilna, Amsterdam und Odessa beteiligten.

Ein wichtiges Ziel stellte die rechtliche Gleichstellung der Jüdinnen und Juden in Europa dar: Bürgerrechte sollten nicht länger von der religiösen Zugehörigkeit abhängen. Doch allein dieses Bestreben löste ein grundlegendes Dilemma aus: Wie kann man zugleich jüdisch bleiben und vollständig an der modernen europäischen Gesellschaft teilnehmen? 1783 brachte Issac Euchel, einer der zu Unrecht vergessenen jüdischen Aufklärer und Schüler Kants in Königsberg, mit der Gründung der deutsch-hebräischen Zeitschrift  „Hameassef – Der Sammler“ eine Kulturrevolution ins Rollen.

In diesem Vortrag stellt Saskia Klemp die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Untersuchung ausgewählter Artikel, die im „Hameassef“ veröffentlicht wurden, vor und ordnet diese in den Kontext der Aufklärung und der jüdischen Geschichte bis in die Gegenwart ein.

Der Weg, den Mendelssohn, Euchel und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter eingeschlagen haben, führte zur Gestaltung öffentlicher Meinungen und zu einer bahnbrechenden religiösen, gesellschaftlichen Erneuerungsbewegung, die kritische Fragen zum Platz des Judentums im modernen Europa stellte, das Lager der liberalen Jüdinnen und Juden bildete, aber auch einen Kulturkampf mit den Vertretern der traditionellen Elite provozierte.

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